in Ebbs/AT und in Meran/IT

 

Weichen erfolgreich gestellt

Ein ganz neues Selbstverständnis kennzeichnet die Atmosphäre, die man bei den verschiedenen Veranstaltungen der am 1. Februar in Ebbs gegründeten Haflinger Welt- Zucht- und Sportvereinigung vorfindet, sei es bei der ersten Vorstandssitzung, die am 29. April in Bozen stattfand, sei es bei den diversen Richterschulungen. Interessant ist dabei, dass mit der Gründung der Vereinigung auch in einzelnen Ländern eine Annäherung zwischen den dortigen Organisationen erfolgte, die kaum einer für möglich gehalten hätte, eine überaus erfreuliche Begleiterscheinung!

 

Ein neues Selbstverständnis

So war denn auch bei der Richtertagung, die am 11. Mai in Ebbs stattfand, nichts mehr zu spüren von einer angestrengten Oppositionshaltung, von einem Versuch, das Eigene hochzuhalten und gegen vermeintliche Angriffe von außen zu verteidigen, sondern es herrschte eine allgemein sehr offene und kollegiale Grundstimmung, allenthalben beseelt vom Wunsch, gemeinsame Sache zu machen. Eine Offenheit, die sicherlich auch von der Haltung des Präsidenten Lukas Scheiber und seinem Vorstand sowie dem Sekretär Michael Gruber begünstigt wird, die wie ein jahrelang eingespieltes Team sehr unaufgeregt und gradlinig an die Umsetzung der doch sehr anspruchsvollen Inhalte gegangen sind, als hätte es in der Vergangenheit niemals Konflikte zwischen Nord- und Südtirol gegeben. Möglich ist das nur, weil keiner befürchtet, der andere versuche ihn zu übervorteilen, alle Beteiligten wissen nicht nur um die eigene Verdienste, sondern haben genügend Selbstbewusstsein, auch die Leistungen der anderen freimütig anzuerkennen. Und was Präsident und Sekretär so selbstverständlich vorleben, ist vielleicht das Geheimnis des sich bereits jetzt schon abzeichnenden Erfolges; dafür sprechen auch die weiteren Beitrittsgesuche, die im September dann von der Vollversammlung behandelt werden.

 

Der Haflinger – sportlich und schön

Der erste Themenschwerpunkt der Initiativen der HWZSV waren die Richterschulungen, der Erkenntnis folgend, dass die Vergleichbarkeit der Bewertungen den Ausgangspunkt für alle künftigen gemeinsamen Maßnahmen darstellt. Die Richter stehen, das muss ganz deutlich gesagt werden, für die Glaubwürdigkeit der Vereinigung. Mit einem souveränen und kompetenten Richtergremium kann die Weltvereinigung ihren Anspruch, Dachverband der Haflingerrasse zu sein, am deutlichsten auch für die Züchter und den Markt zum Ausdruck bringen. Dabei ist gerade die Internationalität der Weltvereinigung ein unschätzbarer Mehrwert; hier können ganz unterschiedlich geartete Erkenntnisse einfließen, denn in allen Ländern hat der Haflinger eine unterschiedliche Geschichte, einen unterschiedlichen Stellenwert als Rasse, in der Zucht und im Sport. Das spiegelt sich ganz klar auch in den mannigfaltigen Selektions- und Bewertungsmodellen, die nach unterschiedlichen Schwerpunkten ausgerichtet sind und in einigen Ländern vermehrt in Richtung Exterieur, in anderen mehr in Richtung Sport gehen. Doch wie es der Koordinator der italienischen Richter, Dr. Andrea Sgambati, auf den Punkt brachte: „Das gewünschte Exterieur sichert die Funktionalität.“ Will heißen, dass das, was gemeinhin als „schöner“ Haflinger gilt, entsprechend dem modernen Zuchtziel auch ein Pferd mit guten Reitpferdepoints ist. Erfreulich dabei, dass das Ergebnis unterm Strich im Großen und Ganzen dasselbe ist: der Idealtyp des modernen Haflingers, der im Wesentlichen für alle gleich aussieht, wenn auch hier und da unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Hier ist Feinabstimmung gefordert.

 

Schlüsselkompetenzen fördern

Genau dies ist auch der Sinn der Richterschulungen, mit denen die Teilnehmer in die Lage versetzt werden sollen, die unterschiedlichen Modelle zu verstehen und zu vergleichen, ohne dabei zu werten. Es geht nicht darum, welche Methode die bessere ist, sondern darum, nachzuvollziehen, wie die unterschiedlichen Ansätze funktionieren.

Eine anspruchsvolle Aufgabe für die rund 30 Richter, die bereits für den einstigen Weltverband und den Europaverband im Einsatz standen, sowie verschiedene Anwärter.

Lukas Scheiber betonte in seinen Ausführungen ganz klar, welche Qualifikationen von den Richtern gefordert werden: „Fachkompetenz, Teamfähigkeit, Engagement und Interesse, Lernbereitschaft und soziale Kompetenz“. Eigenschaften und Merkmale, die bereits in der Zusammenarbeit mit einer international besetzten Gruppe einen grundlegenden Stellenwert einnehmen und erprobt werden können, wenn es darum geht, sich mit den Richterkollegen auszutauschen und den eigenen Standpunkt zu vertreten oder aber auch zu revidieren.

Die Richter nehmen eine Schlüsselrolle im Aufbau der WHZSV ein: sie sorgen für die Vergleichbarkeit der Bewertungen im Zeichen der angestrebten Harmonisierung. Die Mitglieder der HWZSV werden auch in Zukunft ihr Zuchtsystem eigenständig gestalten, doch für die Vergleichbarkeit der verschiedenen Systeme müssen die Richter stehen. Ihnen soll das entsprechende Rüstzeug vermittelt werden, um mit sehr viel Hintergrundwissen und Sachverständnis Unterschiede und Feinheiten zu erkennen. Der Sekretär Michael Gruber betonte, dass es auch darum gehe „nachzuvollziehen, dass die Bewertung von Jungstuten und –hengsten zur Eintragung ins Zuchtbuch ganz anderen Kriterien folgt als die Reihung von Zuchtpferden bei einer Schau“. So fanden dann auch die Schulungen zum einen bei der Stammbuchaufnahme der Jungstuten in Meran in Südtirol und zum anderen bei verschiedenen Schauen in Nordtirol (Imst, Kematen und Längenfeld) statt.

 

Inhalte gefragt

Wer Gelegenheit hatte, den Richtern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, konnte ganz deutlich erkennen, mit wie viel Interesse sie bei der Sache waren, die Gelegenheit nutzten, sich neue Erkenntnisse anzueignen. Die Auseinandersetzung mit neuen Bewertungsmethoden ist eine große Chance, sich der Bewertung aus einem völlig neuen Blickwinkel zu nähern, die eigene Vorgangsweise zu reflektieren und ein erneuertes Gespür für den Haflinger zu entwickeln, in das neue Erfahrungen und Einsichten einfließen. Eine große Herausforderung, gewiss, denn die Richter werden an vorderster Front die neuen Ziele der HWZSV nach außen tragen.

Mit dieser ersten Initiative zeigt die Weltvereinigung ganz deutlich, dass es um Inhalte und nicht um Worthülsen geht, was auch schon auf der Vorstandssitzung deutlich wurde: das Schaffen einer soliden finanziellen Basis, ein sorgfältig vorbereiteter Webauftritt, bedachte Planung der Veranstaltungen –die Weltausstellung wird 2015 in Ebbs stattfinden, für das Europachampionat sieht man sich derzeit nach einem geeigneten Austragungsort um - ohne voreilige Zusicherungen, das Augenmerk auf eine ehrliche und nicht einseitige Kommunikation, sprechen für die umsichtige, transparente und engagierte Führung der neuen Haflinger Welt- Zucht- und Sportvereinigung – die besten Voraussetzungen also für eine zielorientierte Umsetzung!

 

Bericht: Michael Gruber, Sekretär HWZSV

 

  • Die Tagung der internationalen Richter am 11. Mai in Ebbs
  • Gruppenbild_Ebbs
  • Teilnehmer der Richterschulung in Meran
  • Waehrend der Richterschulung am 27.05. in Meran

 

 

Original Haflinger Pferde Deutschland (OHD) e.V.

1. Vorsitzender: Karl-Heinz Arens

 

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